Marco Spitzar
Zwischen den Welten, im Frieden, wo wir nicht stehen.
Ausstellungseröffnung Donnerstag, 08. Okt. 2026 | 19:30 Uhr
Der Künstler ist anwesend
Es spricht Margot Prax
Ausstellungsdauer 08|10|2026 - 07|11|2026
Wandler zwischen den Welten
Mit Marco Spitzar verbindet die Galerie.Z schon eine längere Geschichte. Bestreitet er doch inzwischen bereits die vierte Ausstellung bei Andrea Romagna-Miessgang in Hard. Nach 2013 mit „Eine Frage der Größe“, 2018 mit „Haushaltsware Braun“ und 2022 mit „The conditions of time“ präsentiert er aktuell Werke unter dem Titel „Zwischen den Welten, im Frieden, wo wir nicht stehen“.
Wie von einem Konzeptkünstler, der in seinem multimedialen Schaffen zwischen Zeichnung, Objektkunst und Skulptur stilsicher wandelt, nicht anders erwartet, spannt er auch thematisch einen weiten Bogen auf. Zeitgeschichtliche Beobachtungen, Erinnerungen aus der eigenen Biographie, alltägliche Vorkommnisse sowie grundlegende Fragen der Menschheit und die Verfasstheit der Welt spielen in seinem facettenreichen Oeuvre eine wesentliche Rolle.
Intensive Materialerforschung
Bei der künstlerischen Umsetzung all dieser Themen begnügt er sich weit überwiegend mit handelsüblichem Klebstoff der Marke UHU. „Ich brauche nur ganz wenig Elemente und Materialien, um zu neuen Bilderfahrungen zu kommen“, beschreibt er seine Arbeitsweise. Tatsächlich steckt hinter dieser bescheidenen Darstellung ein langwieriger und konsequent verfolgter Prozess des Experimentierens und geduldigen Ausprobierens. Marco Spitzar erforscht nahezu das Wesen des Klebstoffs, indem er ihn auf vielfältigste Art und Weise einsetzt. Seine „Klebeklumpen/Glue Nuggets“, die er anlässlich der Schau 2022 in der Galerie.Z zeigte, bezeichnete der Kulturjournalist Peter Niedermair als „Uhuereignisse der ersten Stunde“. Wie in allen Arbeiten gesteht der Künstler dem Kleb eine kontrollierte Eigenständigkeit zu: Abgesehen von der Dosierung und Platzierung der Menge bestimmen Schwerkraft und Zeit das endgültige Erscheinungsbild. Ob in zähen Schlieren verlaufende Klebspuren oder unter luftigen Bläschen sich bildende Kuppeln, das Material bleibt das dominierende Element.
Dies verbindet Marco Spitzar mit seinem ehemaligen Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, in dessen Meisterklasse er Bildhauerei studiert hat. Bruno Gironcoli begeisterte sich nämlich wie Marco Spitzar für das Material. Während sein Lehrer jedoch überzeugt war, dass Material an sich völlig reiche, erhält der Klebstoff bei Marco Spitzar auf einer dem Materiellen übergeordneten Ebene eine zusätzliche Bedeutung. In der kontinuierlichen Veränderung der klebrigen Flüssigkeit, die eine Zeichnung mit einer zweiten Schicht überzieht oder ein Objekt umfängt, manifestiert sich eindeutig die Zeit. Bis der Kleb im ermüdeten Zustand erstarrt, hat Zeit stattgefunden.
Uhu als gesellschaftliches Bindemittel
Damit gewinnt der Klebstoff an Relevanz. Er konserviert nun zuverlässig Eindrücke und Erinnerungen, lenkt den Blick über die Abbildung hinaus auf allgemein wichtige Fragen zu Vergänglichkeit, Verlust und Verbundenheit. „We are all born glued“, dem Leitspruch des Künstler folgend und im positiven Sinn interpretiert, kann Uhu symbolisch als gesellschaftliches Bindemittel verstanden werden. Zwischen den Welten stehend, Orientierung suchend, Frieden herbeisehnend, ist Verbindendes dringlicher denn je. Marco Spitzars künstlerische Überlegungen dazu, sind in der aktuellen Schau zu sehen.